Über 1200 Jahre..........

Entwicklung nach 1945

Nach dem Krieg wandelte sich wie überall in Deutschland das übliche Dorfbild. Bestellten die Bauern in den Fünfziger Jahren ihre Felder noch weitgehend mit Hilfe von Kuhgespannen, so verschwanden diese Gespanne in den sechziger Jahren allmählich von den Straßen. Die Landwirte kauften sich nach und nach Traktoren, mit denen sie ihre Felder bestellten. Viele suchten sich eine Arbeit im Frankfurter Raum und betrieben die Landwirtschaft nur noch im Nebenerwerb. Als am 6. Januar 1984 Frauen nach einem Fest mit Saubermachen und Aufräumen zu Ende waren, zog ein Unwetter auf. Die Frauen verließen noch schnell das Vereinsheim, um vor dem Unwetter zu Hause zu sein. Nur wenige Minuten später kam ein schwerer Sturm auf. Er knickte einen Weidenbaum um, der auf das Vereinsheim stürzte. Das Dach brach ein und der Baum zerstörte den gesamten Innenraum. Die Feuerwehrmitglieder mussten wieder von vorn beginnen, ihr Vereinsheim aufzubauen. 1980 hat zum 25-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Enzheim die Gemeinde Altenstadt einen Festplatz neben dem Vereinsheim angelegt. Auf ihm wird seither die Enzheimer Kerb gefeiert, seit 1980 am Sonntagmorgen auch mit einem Kirchweihgottesdienst im Festzelt.

 

Aber auch das geschah in Enzheim:

Die letzten zwanzig Jahre haben das Erscheinungsbild Enzheims entscheidend geändert. Die jungen Enzheimer haben ihren Arbeitsplatz außerhalb des Dorfes, sie sind Angestellte oder Facharbeiter. Die Häuser wurden modernisiert und teilweise umgebaut. Toiletten und Bäder wurden in ihnen eingerichtet. In den Küchen wird auf Elektroherden gekocht, viele Häuser haben eine Öl-Zentralheizung. Leergewordene Ställe und Scheunen der alten Hofreiten wurden zu Wohnungen ausgebaut, in die die verheirateten Kinder gezogen sind. Zwar leben oft noch drei Generationen in einer Hofreite, aber in verschiedenen Gebäuden. Am Rand des Dorfes sind auch typische Einfamilienhäuser nach städtischem Vorbild entstanden. In den sechziger Jahren wurden auf die Hausdächer Fernsehantennen montiert, die seit etwa 1987 durch "Schüsseln" für das Satellitenprogramm ersetzt werden. Das Familienleben hat sich von der Küche ins Wohnzimmer vor den Fernsehapparat verlagert. Kinder haben ihr eigenes Zimmer, ihr Spielzeug wird immer mehr durch technische Geräte bestimmt: Plattenspieler, Kassettenrecorder, Video-Recorder; seit ein bis zwei Jahren ist der Heimcomputer bei Jugendlichen beliebt, besonders die Computerspiele.

Ende der siebziger Jahre besitzt fast jeder Enzheimer Haushalt ein Auto. In den Höfen, neben den Häusern, in freien Ecken werden Garagen gebaut. Es zeichnet sich heute (1992) ab, daß bald jeder erwachsene Enzheimer Besitzer eines Autos ist

 

An einem Sommerabend gingen Herr und Hund ins Vereinsheim. Dem Hund wurden aber offensichtlich die endlosen Gespräche an der Theke zu langweilig. Er verließ still und leise das Haus und besuchte die Schafe von Willi Etzel, die dieser in einem Pferch eingesperrt hatte. Die Schafe aber gerieten darüber in Panik, brachen aus dem Pferch aus und liefen in ihrer Angst auf die Enzheimer Hauptstraße. Vor dem Feuerwehrgerätehaus versammelten sie sich und blockierten blökend den gesamten Straßenverkehr. Sie ließen sich auch durch niemanden und nichts bewegen, die Straße zu verlassen. Der Autoverkehr staute sich von beiden Seiten, doch auch schimpfende Autofahrer störten die Schafe nicht. Sie rührten sich nicht von der Stelle. Erst nachdem der Schäfer Willi Etzel erschien, konnte er sie mit Lockrufen wieder auf die Weide führen. Der Verkehrsstau in Enzheim löste sich auf.

Der Kraftfahrzeugverkehr beherrschte nun immer mehr die Enzheimer Dorfstraße. Hatte sie bisher die Funktion, daß die Enzheimer von Haus zu Haus gehen konnten, so war sie jetzt der Fahrweg für Ortsfremde geworden. Besonders die Lastwagen, die ihre 30 Tonnen schwere Lasten von den Steinbrüchen aus dem Vogelsberg durch die enge Dorfstraße fuhren, wurden für die Anwohner immer unerträglicher. Am Ende September Oktober 1981 wollte ein Enzheimer Landwirt mit seinem Traktor aus dem Hof fahren. In der engen, unübersichtlichen Kurve vor der Hofausfahrt stieß er mit einem Auto zusammen. Seine Frau stürzte vom Traktor und wurde überfahren. An den Folgen des Unfalls verstarb sie wenige Tage später in einem Frankfurter Krankenhaus.

Nach diesen Vorkommnissen wurde die Durchfahrtsgeschwindigkeit für Autos aus 30 km/h begrenzt. Der Schwerlastverkehr erhielt ein Durchfahrtsverbot. Dennoch beeinträchtigt auch nach diesen Maßnahmen der ständige Durchgangsverkehr das dörfliche Leben.

Eine wichtige politische Entscheidung traf 1971 Enzheim mit Lindheim gleichermaßen. Im Zuge einer Verwaltungsreform verlor Lindheim seine kommunale Selbständigkeit. Es wurde mit seinem Ortsteil Enzheim der Großgemeinde Altenstadt ungegliedert. Für die Enzheimer Bürger bedeutet das, daß Bürgermeister und Rathaus jetzt in Altenstadt sind. Alle Entscheidungen über das Dorf werden vom Gemeinderat, bzw. vom Gemeindevorstand in Altenstadt getroffen. Lediglich der "Ortsbeirat" Lindheim, der auch die Enzheimer Interessen vertritt, ist als kommunal-politische Institution mit beratender Funktion der Gemeinde Altenstadt beigegeben.

Am 16. März 1973 brach in der Enzheimer Mühle ein Feuer aus. Eine Schälmaschine war heiß gelaufen und hatte das Feuer im 5. Stock des Gebäudes ausgelöst. Die Freiwilligen Feuerwehren von Enzheim, Lindheim und die Feuerwehr der Stadt Büdingen bekamen das Feuer nach eineinhalb Stunden unter Kontrolle. In der Mühle war ein Sachschaden von 175.000 DM entstanden.

 

Am 1. November 1977 verliert Enzheim seine Poststelle. Der Posthalter Heinrich Schuhmacher ging in den Ruhestand. Die Poststelle war im Gasthaus Schuhmacher eingerichtet. Der Großvater des letzten Posthalters, Georg Schuhmacher (Bild siehe Seite 109), hatte dieses Anwesen, eine alte Leineweberei, 1878 gekauft. Er war Stuhlmacher und richtete in dem Haus eine Gaststätte ein. Sie wurde und wird auch noch heute von Lindheimern und Enzheimern gerne besucht. Manch altes Ehepaar gesteht, daß es sich dort kennen gelernt hat. Nach dem Tod von Georg Schuhmacher 1920 übernahm Gaststätte und Poststelle sein Sohn Heinrich Georg Karl Schuhmacher. In dritter Generation führte dann sein Sohn Heinrich Schuhmacher Poststelle und Gastwirtschaft. Wie bereits erwähnt, wurde mit seinem Ruhestandsalter 1977 die Poststelle aufgelöst. Nachdem er 1978 überraschend verstarb, baute sein Sohn Erich Schuhmacher die Gaststätte aus. Er gab ihr auch nun offiziell den Namen, mit dem die Enzheimer und Lindheimer sie schon längst in ihrer Umgangssprache genannt hatten: "Zum Hanjer"

In Enzheim hat sich 1955 der Verein "Freiwillige Feuerwehr Enzheim" gegründet. Das Gerätehaus der Feuerwehr befindet sich gegenüber der Gaststätte "Zum Hanjer".

Die Freiwillige Feuerwehr erwarb 1978 vom Hundesportverein Altenstadt eine Holzhütte, die dieser ans Nidderufer gebaut hatte. Die Mitglieder der Feuerwehr bauten diese "Hütte" zu einem Vereinshaus um.