Das Dorf damals..............

Dorfanlage

Wie alle Dörfer unseres Heimatgebietes so ist auch das Dörfchen Enzheim seiner ursprünglichen Anlage nach ein Haufendorf. Bei dieser Siedlungsart stehen die einzelnen Gehöfte zu planlosen Gruppen zusammengedrängt. Daher windet sich die Straße meistens in vielen Biegungen durch das Dorf und nimmt Sack- und Nebengassen auf. Um diese Dörfer wurden im Mittelalter Hecken und Gräben angelegt. Bei Enzheim fanden indes die Siedler Geländeverhältnisse vor, denen sie gerecht werden mussten. Im Westen zieht sich das tief gelegene und von Überschwemmungen oft heimgesuchte Niddertal, im Osten der Enzheimer Kopf, so dass zum Bauen der Hofanlagen nur ein schmaler Streifen als Platz blieb. Die Siedler waren deshalb genötigt, die Form des Haufendorfes aufzugeben, und statt dessen die Gehöfte in gedrängten, rechtwinkligen Reihen an die Straße zu stellen. Es entstand also ein Straßendorf. Einige, hauptsächlich zu Wohnzwecken errichtete kleine Hofreiten wurden in der Mitte des vorigen Jahrhunderts nach der Auswanderung seiner Einwohner nach Amerika abgebrochen. Die Gärten stießen mit ihrer Rückseite an die Hecke.

 

Dorfflur

Enzheim verfügte schon bei seiner Gründung über die zu jener Zeit wichtigen und unentbehrlichen drei "W", nämlich Weide, Wasser, Wald. Von Norden nach Süden ziehen sich westlich des Dorfes die Nidderniederungen mit ihren ertragreichen Wiesen und Feldern hin. Im Osten erhebt sich aus der fruchtbaren Feldflur eine krönende Basaltkuppe, der Enzheimer Kopf, der mit einer Höhe von 223 Metern dem 276 Meter hohen Glauberg wie der Bug eines Schiffes vorgelagert ist. Der Waldbestand des Enzheimer Kopfes bildete die Grundlage für die Mast des Viehs, gleichzeitig war er Lieferant für das nötige Brenn- und Nutzholz.

 

Name des Dorfes

Ein aus der Sippe der ersten Ansiedler Hervorragender nannte sich Answino, wurde aber auch Ansuino oder Hansino genannt, das heißt Gottlieb. Es darf angenommen werden, dass er wie Tutilo, der Namensgeber von Düdelsheim, ein Burgmanne der Glauburg war. Wohl gibt es in Enzheim beim Zusammenfluß der Nidder und Mühlgraben die Flurbezeichnung "Auf der Burg", ebenso in Düdelsheim eine Lagebezeichnung "die Burg", doch dürfen wir aber annehmen, dass es sich ursprünglich nur um befestigte Höfe mit Steinbauten, die mit Wirtschaftsgebäuden umgeben waren, gehandelt hat. Dennoch wurden sie ihrer Aufgabe gerecht, den Glauburger Herrschaftsanspruch zu sichern und zu vertreten.

 

Siedlungsart

Als Siedlungsart finden wir auch in Enzheim die in der Wetterau übliche fränkische Hofanlage vor. Der geschlossene Hof wird aus mehreren Einzelgebäuden gebildet, dem Wohnhaus, der Scheune, den Stallungen und den besonderen Gebäuden für das Abstellen von Ackergeräten und Vorräten. Die Anwesenheit der Franken wird auch durch den Ortsnamen bezeugt, welcher nach einem Grundwort mit -heim endet. Es gibt in Oberhessen 38 Dörfer, die dieses Kennzeichen tragen. Das von den Franken mit Vorliebe angewandte "-heim" wird an Alter von keinem in Ortsnamen gebrauchten Stammwort übertroffen. Es wurde schon im 1. Jahrhundert nach Christi von ihnen angewendet. "Heim" bedeutet ursprünglich "Herdstelle", später wird dieses Wort im Sinne von Dorf oder Stätte gebraucht.

 

Dorfsicherung

In frühester Zeit wurden die Dörfer zu ihrem Schutz mit Zäunen und Gräben umgrenzt. Dieselben Einrichtungen gaben auch später dem Dorf sein bestimmtes Gepräge. Durchgehends haben wir uns die heimatlichen Dörfer mit einer lebenden Hecke umgeben vorzustellen, die an manchen Stellen durch einen geflochtenen Weidezaun ersetzt wurde. Vor dieser Hecke, bzw. vor diesem Zaun wurde ein Graben ausgehoben. Der Grabenaushub wurde zu einem Erdwall aufgeschüttet. Diese Form der Dorfsicherung war noch zu Anfang des 18. Jahrhunderts in unseren Dörfern eine allgemeine Erscheinung. Zur Verteidigung im Kriegsfall reichte diese Sicherung zwar nicht aus, bot aber dennoch eine günstige Verteidigungsmöglichkeit gegen plündernde Räuberbanden. Nach Überwindung des Räuberunwesens hatten Dorfhecke, Graben und Wall ihre Bedeutung verloren. Sie gerieten in Vergessenheit und wurden geschleift. Nur Flur- und Gewannamen geben noch Kunde von diesen Einrichtungen.

Am südlichen Dorfausgang Enzheims finden wir den Flurnamen "die Schlagäcker". Er bezeugt, dass hier einmal eine Straßensperre angelegt war, die sich in westlicher Richtung bis zur Nidder hinzog, die ja einen natürlichen Schutz im Westen bildete.

Folgen wir dem Dorfzaun Enzheims vom südlichen Ausgang in östlicher Richtung, kommen wir nach der Straßenüberquerung in die Gewann "Kleegarten". In ihm standen die Gebäude eines Hofgutes, das "Limburglehen" genannt wurde, weil es vom Kloster Limburg (bei Bad Dürkheim) zu Lehen gegeben wurde. Es umfaßte eine Fläche von fünfeinhalb Hufen (1 Hufe = 30 Morgen). Lehensleute dieses Gutes waren von 1315 an für längere Zeit die Herren von Buches, später die von Buchenau und von der Heese. Aus der Hand des Letzteren ging es 1660 an Hermann von Oynhausen über. Von nun an wurde dieses Gut "Oynhaus'scher Hof" genannt. Im Zusammenhang mit der Auswanderung im vergangenen Jahrhundert - auf sie wird später noch näher eingegangen -, wurden vierzehn Gebäude abgerissen, darunter auch das "Steinerne Haus" als letztes Zeugnis des Oynhaus'schen Gutes.

Die östliche Abschlußlinie des Kleegartens findet ihre Fortsetzung in dem angrenzenden Hofgarten. In einem alten Inventarverzeichnis ist zu lesen, dass diese Gärten mit lebenden Zäunen umgeben waren und der Dorfsicherung dienten. An den Hopfgarten schließen sich die "Maueräcker" an. Hier befand sich eine unbebaute Hofreite, das "Breidenbach'sche Gut", das höchstwahrscheinlich mit eine Mauer gesichert war, wodurch sich der Name "Maueräcker" erklären lässt. Den Mauernäckern gegenüber, durch den alten Betten- oder Kuhtriebsweg getrennt, stoßen wir auf die Gewann "die Hecken", deren Name heute nicht mehr gebraucht wird. Aber es darf daraus geschlossen werden, dass sich von hier am nördlichen Dorfausgang eine Hecke zur Nidder hin zog und das Dorf im Norden sicherte. Die auf einer Nidderinsel gelegene "Burg" hatte eine eigene Sicherung. Der noch erkennbare niedere Wall könnte ein Überrest davon darstellen.