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Die Enzheimer Orgel |
Aus dem Jahre 1830 stammt die älteste Nachricht einer Orgel in der Enzheimer Kirche. Sie sei damals beim Anstreichen des Kirchenraums beschädigt worden. Der Orgelbauer Degenhard aus Hanau repariert das Werk zu einem Preis von sieben Gulden und 48 Kreuzer. Am 8. Juli 1842 beschließt der Kirchenvorstand in Glauberg über die Anschaffung einer neuen Orgel zu Enzheim. Beauftragt mit dem Bau wird der Herzogliche Orgelbaumeister Wilhelm Bernhard von Romrod. Derselbe verspricht bei der Erteilung des Auftrages und Genehmigung der kirchlichen Behörden, innerhalb drei Wochen die Orgel bis Christtag liefern zu können. Er übernimmt auch das Aufstellen in der Kirche zu Enzheim. Als eine vorzeitige Abschlagzahlung fordert er 150 Gulden, die aus dem Enzheimer Kirchenfond zu zahlen seien. Für die Güte des Werks bürgt er fünf Jahre lang, wobei er sich jedoch das alleinige Stimmen der Orgel vorbehält. Dagegen führt der Kirchenvorstand demselben die Summe von 540 Gulden für die Anfertigung und Aufstellung der Orgel zu, wovon jedoch die Summe von zehn Gulden abzuziehen sind, die den Wert der gänzlich unbrauchbaren kleinen Orgel noch ausmachen. Auch die restlichen 390 Gulden sollen nach ausgeführter Arbeit aus dem Kirchenfond entnommen werden. Der Kirchenvorstand behält sich ausdrücklich die Genehmigung der oberen kirchlichen Behörde vor. Es unterschreiben den Kontrakt: Wilhelm Bernhard, Orgelbaumeister und für den Kirchenvorstand W. Lyncker, Pfarrer, Bürgermeister Bösch, Johannes Klehm und Andreas Kröll.
Am 15. Mai 1843 ordnet der Großherzogliche Kreisrat eine Prüfung der Orgel an. Vom 17. Juli 1843 liegt ein Gutachten von Pfarrer Müller vor, der offenbar als Orgelsachverständiger fungiert hat. Der Unterzeichnete, welcher auf Einladung des Kirchenvorstandes die von dem Orgelbauer Bernhard neu erbaute Orgel daselbst heute geprüft hat, fand dieselbe in allen ihren Pfeifen ebenso sorgfältig wie meisterhaft gearbeitet und vollkommen gut intoniert, so daß auch nicht das geringste an dieser soliden Arbeit auszusetzen sein dürfte. Da keine Disposition vorlag zu derselben, fand ich bei der Prüfung des Werkes folgende vor: Prinzpal 2 Fuß, Salicional 8 Fuß, Flöte 8 Fuß, Gedackt 4 Fuß, Mixtur 3 Fuß, Subbass 16 Fuß, Pedalkoppel, nebst 2 gut gearbeiteten Bälgen. Ich erlaube mir hinzuzufügen, daß ich zur Einladung des schönen Werkes notwendig finde:
Staden, den 17. Juli 1843 Müller, Pfarrer Am Sonntag, den 27. August 1843 wird die Orgel in einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht, den die Schuljugend mit einem "angemessenen Gesang" eröffnete. Der Geistliche hielt hierauf die Weiherede. In einer Predigt richtete er ernste Mahnungen an die Gemeinde bei ihrer Rückkehr in das neu eingerichtete Gotteshaus. Am 31. Oktober 1843 berichtete der Kirchenvorstand von Enzheim, daß von der neuen Orgel eine Zinnpfeife abhanden kommen sei. Es wird deshalb beantragt, daß künftig der Schullehrer den Glöcknerdienst übernehme und nicht wie bisher der Ortsdiener. Nur der Lehrer und der Bürgermeister sollten einen Schlüssel zur Kirche haben, die ansonsten verschlossen bleiben soll. Offensichtlich ist auf den Rat des Orgelsachverständigen nicht gehört worden, denn vierzehn Jahre später, am 18. August 1857 fand durch Orgelbauer W. Storch eine Begutachtung zur Reparatur statt. Darin heißt es: "Dieses noch neue Orgelwerk ist durch üble Behandlung so heruntergekommen, daß solche beinahe unbrauchbar geworden ist. Die nachstehend angegebene Weise ist geeignet, dasselbe wieder gut und dauerhaft herzustellen.
Für die gesamten Arbeiten könnten 25 Gulden veranschlagt werden. Ein Balgtreter wird dem Orgelbauer während der Arbeit freigestellt. Enzheim, den 18. August 1857 W. Storch, Orgelbauer" Ein zweiter Reparaturkosten-Voranschlag für Material und Arbeitslohn wurde von ebenfalls 25 Gulden von einem anderen Orgelbauer namens Carl Nickel, am gleichen Tag datiert, eingereicht. Diese 25 Gulden waren offensichtlich die obere Grenze des Vertretbaren, was den Kirchenfond betraf. Diese beiden Kosten-Voranschläge sind an das Großherzogliche Kreisamt in Büdingen am 19. Oktober 1857 eingegangen. Dies sind die historisch belegbaren Unterlagen aus den noch jungen Jahren der Orgel. Weitere Akten, die uns über weitere Arbeiten an der Orgel Auskunft geben könnten, sind zur Zeit nicht greifbar. Aus der Lindheimer Pfarrchronik erfahren wir lediglich, dass im 1. Weltkrieg die Prospektpfeifen aus Zinn haben abgegeben werden müssen. 1937 schreibt Pfarrer Strack in die Chronik: "Am 2. Pfingstfeiertag konnten im Vormittagsgottesdienst nun endlich die neuen Prospektpfeifen (Ersatz für die im Kriege abgelieferten Pfeifen) nach gründlicher Reparatur der ganzen Orgel feierlich in Gebrauch genommen werden. Die Reparatur wurde durch die Firma Förster und Nikolaus in Lich ausgeführt zum Preis von 250 RM. Der Betrag war zum Teil durch den verstorbenen Kirchenvorsteher Schneider in Enzheim in früheren Jahren gesammelt worden unter Beihilfen von besonderen Kirchen-Kollekten". Im Oktober 1956 konnte die Enzheimer Kirche eine neue Gebläseanlage für die Orgel erhalten. Nikolaus und Förster in Lich wurde mit der Ausführung beauftragt. Die alte Anlage war unbrauchbar geworden. Als Edwin Krausgrill das Organistenamt 1967 übernahm, befand sich die Orgel wieder in einem desolaten Zustand. Die Klaviatur war uneben und teilweise verklemmt, der Wind ließ ab und deutlich konnten beim Ziehen verschiedener Register Dauertöne gehört werden. Oft musste der Organist den Part eines Kantors übernehmen, was manchmal peinlich war. Erst unter Dietmar Ennulat, der als junger dynamischer Pfarrer aktiv wurde, sollte sich vieles zum Besseren wenden. Zur Temperierung des Kirchenraumes wurde eine Elektroheizung im Kirchenraum installiert. Das gesamte Kirchenschiff wurde gründlich renoviert. Die alten Blasebälge wurden durch ein elektrisches Gebläse ersetzt. Von nun an konnte der Organist, ohne jemand zu behelligen, seinen Dienst ausüben. Auch ein vorbereitendes Üben ist seither möglich. Die gesamte Orgel wurde dann von der Firma Förster und Nikolaus aus Lich zu einem Kostenaufwand von 14.000 DM gründlich überholt. Nach nunmehr zwanzig Jahren seit dieser Generalüberholung, darf davon ausgegangen werden, dass der Großherzogliche Orgelbaumeister Wilhelm Bernhard aus Romrod in der damaligen, recht widrigen Zeit für Transport und dergleichen, ein zwar eigenwilliges, aber einmaliges Instrument, das auch an die engen Raumverhältnisse angepasst werden musste, der Kirchengemeinde Enzheim beschert hat. Davor haben wir größte Hochachtung und verehre diesen einfachen tüchtigen Handwerksmeister, der schon lange von uns gegangen ist und aus dessen vielen Briefen herauszuspüren ist, dass ihm dieses Werk zum Lobpreis Gottes eine Herzensangelegenheit war. |
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